2004 fand Africa Alive bereits zum zehnten Mal statt
– Anlass genug, einen Rückblick zu geben auf neun vergangene Festivals
und ihre Geschichte.
Die Idee zu einer umfangreichen Veranstaltung, die afrikanische
Kultur und Politik nach Frankfurt holt, entstand 1994 auf private
Initiative einer Hand voll engagierter Idealisten und fand bald weitere
Anhänger. So beteiligten sich beim ersten Africa Alive-Festival 1995
bereits mehrere an Afrika interessierte Personen, Kultureinrichtungen
und -initiativen sowie afrikanische Vereine. Seitdem wird das Festival
gemeinsam im internationalen Team mit großem Engagement
konzipiert und durchgeführt und ist für viele zum jahresfüllenden
(Ehren-)Amt geworden. Die inhaltlichen Diskussionen im Vorfeld
sind durchaus kontrovers – Entscheidungen werden jedoch
gemeinsam getroffen und nach außen vertreten. Dies ist eine Stärke
des Festivals und garantiert die breite Vernetzung und Außenwirkung
sowie die Kooperation mit vielen Drittpartnern.
Zentrales Anliegen ist von Anfang an, Afrikanerinnen und Afrikaner
selbst(bewußt) zu Wort kommen zu lassen und ein lebendiges Bild
von diesem Kontinent zu vermitteln, der in den Medien nur allzu oft
mit Negativschlagzeilen verbunden wird.
Der Name Africa Alive ist somit Programm.
Künstlern und Kulturschaffenden aus Afrika wird ein Forum geboten,
ihre Werke, Ideen und Visionen persönlich vorzustellen. Dies schafft
(Frei-)Raum für intensive Begegnungen. In Rhein-Main ist das
Festival inzwischen Publikumsmagnet und international als wichtiges
Forum für Afrika anerkannt. So war es mehrfach UNESCO-Projekt
und stand 2002 unter deren Schirmherrschaft. Neben einem
Stammpublikum ziehen die Schwerpunkte jeweils neue Kreise an.
Begünstigt wird dies durch die Originalfassungen und Untertitelungen
sowie die Übersetzung aller Veranstaltungen. So leistet das
Festival einen wichtigen Beitrag zur Integration im multikulturellen
Rhein-Main-Gebiet.
Das breite Spektrum der Veranstaltungen über zwei bis drei Wochen
umfaßt Filme, Videos, Lesungen, Ausstellungen, Politische Foren und
Konzerte. Hautnah vermitteln die Gäste afrikanische Lebenswirklichkeiten
– und dies nicht nur gegenüber einem erwachsenen
Publikum. Seit Beginn ist das überaus beliebte Kinderfest wichtiger
Bestandteil. Das Deutsche Filmmuseum und die Ton- und Bildstelle
der EKHN bieten darüber hinaus Filmveranstaltungen für Schüler.
Und seit 2002 besucht Africa Alive mit den geladenen Gästen
Schulen und Uniseminare. Weit entfernt von folkloristischen
Klischees beweist die Veranstaltung ein genaues Gespür für aktuelle
Themen und neue Kunstströmungen. Die Podien zeigen gesellschaftliche
Veränderungen auf und diskutieren neue politische
Ansätze.
Aus jeweils aktuellem Anlaß setzt das Team jedes Jahr Länder- oder
Themenschwerpunkte. Dabei kommt der gesamte Kontinent zu
Wort. Das Filmforum Höchst legte von Beginn an den Akzent auf
Nordafrika.
Parallel hierzu präsentieren das Deutsche Filmmuseum und das
Filmforum Höchst das Neueste und Beste des afrikanischen Kinos:
die Highlights und Preisträger des großen Festivals FESPACO in
Ouagadougou/Burkina Faso. Damit leistet Africa Alive Pionierarbeit;
denn nach wie vor ist der afrikanische Film in europäischen Kinos
und Festivals deutlich unterrepräsentiert – und dies völlig zu
Unrecht! Seit 1995 begleitet Africa Alive das Filmschaffen mehrerer
RegisseurInnen und zeigt über die Jahre ihre neuen Filme:
Merzak Allouache (Algerien)
Flora Gomes (Guinea-Bissau)
Souleymane Cissé (Mali)
Dani Kouyaté (Burkina Faso)
Med Hondo (Mauretanien)
Djibril Diop Mambety (Senegal)
Mweze Ngangura (DR Kongo)
Ousmane Sembène (Senegal)
Abderrahmane Sissako (Mauretanien)
Cheikh Oumar Sissako (Mali)
Jean-Marie Teno (Kamerun)
Moufida Tlatli (Tunesien)
Bis heute hat sich das Team seine Neugier für junge, noch unbekannte
Talente aus Afrika bewahrt.
Außer in den Festivalzentren Deutsches Filmmuseum und Filmforum
Höchst fanden die Veranstaltungen bislang in zahlreichen Orten
und Kooperationen statt.
Jahresrückblick mit wichtigen Veranstaltungen
1995
Freude und Erleichterung bei den Initiatoren: Das erste Africa Alive
Festival findet großen Anklang bei Presse und Publikum! Der Anfang
ist gemacht.
Die Verbindung von Filmen, Literatur, Kunst, Musik,
Politischem Podium und Kinderfest bewährt sich
bereits beim ersten Mal. Africa Alive leistet Pionierarbeit:
Viele der Werke sind erstmals in Frankfurt zu sehen. In
einem großen Kooperationsprojekt wird in der Schirn
Kunsthalle zeitgenössische afrikanische Kunst aus den
Beständen des Museum für Völkerkunde präsentiert.
Unter ihnen die Werke bekannter afrikanischer Künstler,
wie Twins Seven-Seven und Chéri Samba. Im ersten
Jahr stehen gleich drei Diskussionen auf dem Programm:
Die politische Lage Afrikas in der Neuen
Weltordnung, Afrikanische Filmästhetik und Selbstverschuldetes
Chaos? Afrika in der westlichen Berichterstattung.
Den Mittelpunkt bildet das hochkarätige Filmprogramm u.a. mit der
deutschen Premiere des ghanesischen Films Back Home Again
von Robert Johnson, mit Camp de Thiaroye des weltbekannten
senegalesischen Regisseurs Ousmane Sembène, Afrique, je te
plumerai von Jean-Marie Teno (Kamerun) und Med Hondos
(Mauretanien) La Reine Sarraounia. Mweze Ngangura (DR Kongo)
stellt persönlich seinen Le Roi, la vache et le bananier vor. Bereits
jetzt zeigt sich der hohe Anspruch von Africa Alive. Die Filme dieser
bekannten Regisseure werden auch bei den zukünftigen Festivals
eine große Rolle spielen.
Im Literaturhaus findet eine Lesung mit M. Dedjene-Hilletework aus
Äthiopien statt. Das Kinderfest bietet Afrikanische Musik zum
Anfassen und einen Film. Krönenden Abschluß bildet die Dance
Night Deep in the Jungle.
1996
Anläßlich der brutalen Ermordung des nigerianischen Aktivisten und
Schriftstellers Ken Saro Wiwa und der „Ogoni Nine“ veranstaltet
Africa Alive im Philanthropin unter dem Titel Afrika im
Umbruch zum Länderschwerpunkt Nigeria einen
Diskussionstag mit anschließendem Literatur- und
Musikabend. Das Interesse daran ist enorm und der
Abend so gut besucht, daß ein Teil des Publikums auf
dem Boden Platz nehmen muß! Unter dem Motto Die
Kraft, auf die Zukunft zu vertrauen liest Dagmar Casse
vom Freien Schauspiel Ensemble übersetzte Texte dreier
Generationen von Schriftstellern: von Aimé Césaire, dem
großen Poeten und Politiker der Négritude, von Ken Saro
Wiwa und von Muepu Muamba (DR Kongo/Zaire) sowie
Alain Patrice Nganang (Kamerun). Muamba und Nganang,
beide Teammitglieder, rezitieren ihre Gedichte auch in
Französisch. Mbayo-Martins (Nigeria), ebenfalls im Team, und Riad
Kheder (Irak) bestreiten den musikalischen Teil. Die Kraft auf die
Zukunft zu vertrauen ist auch Titel der im Deutschen Filmmuseum
gezeigten Dokumentation von E. Placy und A. Thébia Melsan über
Aimé Césaire.
Ebenfalls zum Länderschwerpunkt zeigt Africa Alive mehrere Filme
des bekanntesten nigerianischen Regisseurs, Ola Balogun, sowie die
Ausstellung Kunst aus Oshogbo von nigerianischen Künstlern, die
als „Oshogbo-Schule“ bekannt wurden – unter ihnen so bekannte
Namen wie Twins Seven-Seven. Zwei Künstler sind zur Vernissage
anwesend.
Neben Nigeria sind der Maghreb und Frauen in Afrika zentrale
Themen.
Von der bekanntesten tunesischen Filmemacherin Moufida Tlatli
wird der bestechend schöne Film Les Silences du palais gezeigt.
Wanjiru Kinyanjui aus Kenia stellt gleich mehrere Filme vor. Und
Youssef Chahine, „das filmische Gedächtnis Ägyptens“, zeigt als
moderne Bibeladaption Al Mohager (Der Auswanderer) mit Michel
Piccoli.
Bei der Europapremiere der Rohfassung von La Colline oubliée,
dem überhaupt ersten Film in berberischer Sprache, im ausverkauften
Filmforum Höchst sind der algerische Regisseur A. Bouguermouh
und sein Produzent A. Abdesslam anwesend. Chenjerai Hove,
engagierter Autor aus Zimbabwe, liest im Buchladen & Café Ypsilon
aus seinem Stadtgeflüster. Die Schwarze Frauengruppe Frankfurt
lädt zu Film- und Diskussionsveranstaltungen.
So diskutieren im Literaturhaus Aminata Sow-Fall und Ntyugwetando
Angèle Rawiri über Afrikas Frauen an der Feder.
Zum musikalischen Höhepunkt wird die African Dance Night Get
yer Jujus out! in der Brotfabrik mit der Königin des Mbira, Stella
Chiweshe, und ihrer Band aus Zimbabwe. Chiweshes Poparrangements
machten sie weltweit bekannt.
1997
Verschnaufpause nach den beiden ersten Festivals. Small is
beautiful! Da FESPACO nur zweijährig stattfindet, bietet Africa Alive
dieses Jahr ein Interimsprogramm aus Südafrika und seinen
Nachbarstaaten. Das Museum für Völkerkunde zeigt im Deutsches
Filmmuseum Karikaturen des Südafrikaners George Msimang. Auf
dem Fest im Filmmuseum sowie in der Brotfabrik spielt die Donald
Kachamba-Kwela Band aus Malawi Kwela Music. Marcel Odenbach
präsentiert eine Südafrika-Videoinstallation. Im Deutsches Filmmuseum
und Filmforum Höchst läuft eine Reihe großartiger Filme aus
Südafrika und Zimbabwe: Spiel- und Dokumentarfilme, die im
britischen Exil kurz vor dem Ende der Apartheid entstanden oder seit
Mandelas Wahl zum Präsidenten 1994/95 gedreht wurden. Darunter
als deutsche Premieren die Komödie Soweto Green von David
Lister und Ingrid Sinclairs Flame eine Hommage an die Heldinnen
der Unabhängigkeit Zimbabwes.
1998
Africa Alive hat sich inzwischen etabliert und wartet wieder mit
einem großen Festival und zahlreichen Gästen aus Afrika auf. Neue
Locations kommen hinzu.
Balufu Bakupa-Kanyinda (DR Kongo) stellt persönlich seinen Film Le
Damier – Papa National Oyé vor – die meisterhaft erzählte
Parabel vom Präsidenten, der allnächtlich mit einem Mann von der
Straße in seinen Gemächern Schach spielt. Tableau Ferraille
(Moussa Sene Absa, Senegal) besticht durch Farbenpracht, Musik
und Frauenchor. Von Safi Faye (Senegal), einer der wichtigsten
Regisseurinnen Afrikas, läuft Mossane.
Schwerpunkte sind Afrikaner/innen im Exil und das Horn von
Afrika. Seit der Gründung Eritreas 1993 kommt es dort erneut zu
größeren Konflikten.
Auf eine Tour de planète führt der Literatur- und Musikabend mit
sechs Exil-AutorInnen (Aicha Bouabaci, Hassouna Mosbahi, Muepu
Muamba, Uche Nduka und Godwin Ede sowie Alain Patrice
Nganang) und dem irakischen Musiker Riad Kheder im Philanthropin.
Die Ausstellung mit farbexpressiven Pappmaché-Skulpturen des
äthiopischen Künstlers Mickael Bethe-Sélassié in der Plaza der
Commerzbank trägt denselben Titel. Eröffnet wird sie mit eritreischer
Musik und Tanz von Beles, einer Gruppe junger eritreischer
Europäer aus Frankfurt. Ganz anders die Gemälde von verängstigten
Menschen, die Salaheldin S. Bakheit (Sudan) im Deutsches
Filmmuseum unter dem Titel Das verletzte Tabu präsentiert.
Ernüchternd ist auch der Titel des Diskussionstages: Vom
kalten Krieg zum Kulturkrieg: Wo bleibt die Selbstbestimmung der Afrikaner?
Der Algerientag informiert mit
Podium, Poesie, Musik und Videoprogramm über Algerien
heute – Realität und Zukunftsperspektiven.
Die Lesungen bestreiten Abdellatiif Laâbi aus Marokko, der in
Un continent humain seine Erfahrung im Exil und den
gescheiterten Versuch, in die Heimat zurückzukehren, beschreibt
und Nuruddin Farah aus Somalia, einer der bedeutendsten englischsprachigen
Autoren. Er liest aus den Romanen Maps und Secrets.
Sie gehören zu seiner dreiteiligen „Geographie physischer, psychischer
und kosmischer Landkarten und Seelenzustände“. 1970 war
Farah aufgrund seiner Kritik an der Militärdiktatur ins Exil getrieben
worden.
„Wenn Heimat so etwas wie das Zentrum des Lebens meint, dann
ist das Schreiben mein Zuhause.
Der Paß dafür läuft niemals ab.. .. .“ (Nuruddin Farah)
Doppeldeutig ist die Reihe Afrikaner im Exil im Filmforum Höchst
zu verstehen: Sie zeigt sowohl das Leben in der Diaspora, als auch
im Exil gedrehte Filme. Der Mauretanier Med Hondo stellt u.a. seinen
Film West Indies über den Sklavenhandel zu den Antillen vor; und
Samir und Mognis Abdallah von der Agence IMMedia zeigen La
Ballade des sans-papiers. Als Hörspiel läuft Der Häftling von
Wole Soyinka.
Das Deutsche Filmmuseum widmet Souleymane Cissé aus Mali
eine Retrospektive und lädt dazu den großen Altmeister des
afrikanischen Films ein. Im Programm Horn von Afrika läuft unter
anderem in Anwesenheit des Regisseurs Yemane Demissie
(Äthiopien) Tumult über den gescheiterten Versuch, Haile Selassie
zu stürzen.
Der Jugendclub Get Alive Frankfurt stellt sein Austauschprojekt mit
Ghana vor.
Neben Tonbildschau, Trommelpercussion und Film bietet das
bombastische Kinderfest eine Lesung mit dem Kinderbuchautoren
Meshack Asare. Das Abschlußkonzert bestreiten Mfa Kera und Black
Heritage mit Ethno-Techno.
1999
Fünf Jahre Africa Alive! Um dies gebührend zu feiern, vereint das
Programm die beiden populärsten Medien Afrikas: Musik & Kino.
Das Eröffnungsfest steht mit der Fotoausstellung Griot, sing uns
eine Geschichte!, Livemusik des Koraspielers Aziz Kuyateh und
Cheikh Oumar Sissokos Film Guimba im Zeichen der Griots. Im
Deutschen Filmmuseum führen ExpertInnen in die Musikfilme,
Musikerportraits und Spielfilme ein. Diese greifen die afrikanische
Tradition auf, mit Musik Geschichten zu erzählen. Mweze Ngangura
(Zaire/DR Kongo) zeigt seine Komödie La Vie est belle! mit Papa
Wemba, dem König des Soukouss. Themenabende widmen sich
den ersten südafrikanischen All Black-Filmen Donald Swansons und
dem African Pop und Punk. Moussa Sene Absa stellt seinen Funk &
Soul-Film Ça twiste à Poponguine vor, und Jean-Pierre Bekolos
Quartier Mozart ist vom Hip Hop der Jugend in Duala geprägt.
François Woukoaches legendärer poetischer Dokumentarfilm
Asientos verweist auf die musikalische Verbindung zur Diaspora.
Die Hommage gilt dem kurz zuvor verstorbenen enfant terrible des
afrikanischen Kinos: Djibril Diop Mambety. Sein erfrischendes Road
Movie Touki Bouki begeistert das Publikum.
Mit dem Musiker Fanick präsentiert sich das Kinderfest Rund um das Ballaphon.
Aus aktuellem politischen Anlaß sind das Programm und die Podiumsdiskussion
im Filmforum Höchst Algerien gewidmet. Der weltweit dritte
Film in berberischer Sprache, La Montagne de Baya, ist hier als
deutsche Premiere zu sehen sowie Gillo Pontecorvos Klassiker
Schlacht um Algier.
In Zusammenarbeit mit hr2 findet in der
Brotfabrik ein Konzert von Al-Ustadh Zein l’Abdin Alamoody mit
klassischen Swahili Songs und Instrumental Music aus Kenia statt.
2000
Kitty Vincke, Mitbegründerin von Africa Alive und Leiterin des Kino
des Deutschen Filmmuseums, stirbt nach schwerer Krankheit am
2. Dezember 1999 im Alter von 38 Jahren. Das Team ist geschockt
und trauert um sie. Unermüdlich hatte sie sich stets mit viel Freude
für den afrikanischen Film eingesetzt.
Africa Alive 2000 ist ihr gewidmet.
Das Festival ist inzwischen von einem anfänglich 16tägigen Programm
auf 23 Tage angewachsen. Mit dem Schwerpunkt auf der
Afrikanischen Diaspora (Kuba, Haiti, U.S.A., Großbritannien u.a.)
verläßt es thematisch erstmals den afrikanischen Kontinent.
Erstmals zeigt Africa Alive Fotos: Ja taa – Bilder mitnehmen macht
einen Querschnitt durch die 3. Afrikanische Fotografie-Biennale ‘98
in Bamako/Mali. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Völkerkunde
werden Tagewerke – Bilder zur Arbeit in Afrika ausgestellt.
Die Anwaltskanzlei in der Höhenstraße präsentiert unter dem Titel
Haiti Chéri – Haiti Tristès Werke haitianischer Künstler.
Die
Lesungen stellen mit Fred d’Aguiar (Guayana) und Gil Tucker zwei
Schriftsteller aus der Karibik vor.
Zum Eröffnungskonzert im Neuen
Theater Höchst spielen Ismael Seck & Ak Jam (Westafrika).
Zum Abschlußkonzert lädt Tiharea aus Madagaskar.
Das Filmprogramm gibt Einblicke in Politik und Potentatentum:
Unter Anwesenheit des Hauptdarstellers Stiti eröffnet Africa Alive mit
Silmandé, der von den schwierigen Beziehungen zwischen
Libanesen und Afrikanern erzählt und in Abidjan einen Skandal
auslöste. Chef! von Jean Marie Teno analysiert Macht und Gewalt in
Kamerun. Mobutu, roi du Zaire des Belgiers Thierry Michel zeichnet
das Leben des Diktators bis zu seinem Sturz 1997. Djibril Diops
Mambetys (Senegal) Kurzfilm Le Franc erzählt humorvoll von den
Wirrungen um Maringo und sein Los der populären Staatslotterie. Mit
La Petite Vendeuse de soleil zeigt Africa Alive den letzten Film des
1999 verstorbenen Regisseurs.
Der FESPACO-Preisträger Mweze
Ngangura (DR Kongo) stellt seinen Pièces d‘Identités vor. Publikumsliebling
wird das farbenreiche Roadmovie TGV Express von
Moussa Touré (Senegal) – ein Mikrokosmos der modernen
afrikanischen Gesellschaft.
Beide Kinos bieten ein umfangreiches Programm mit historischen
und aktuellen Filmen zum Thema Diaspora.
Hochpolitisch zeigen sich ebenfalls die Filme von Sarah Maldoror
(Guadeloupe), der die Hommage gewidmet ist. Sie stellt ihre Filme
selbst vor und diskutiert auf dem Podium mit dem Schriftsteller
Hans-Christoph Buch und dem Soziologen Marc Auguste über Haiti
und Simon Bolivar: Bedeutende Vorreiter für die Unabhängigkeit.
2001
Genau am Tag, an dem der Tod des Präsidenten der DR Kongo,
Laurent Désiré-Kabila, bestätigt wird, eröffnet Africa Alive mit der
Ausstellung Karikaturen und Comics aus dem Herzen Afrikas in
Anwesenheit des Comiczeichners und Musikers Barly Baruti (DR
Kongo), der eigene Lieder vorträgt. Hier zeigt sich einmal mehr das
sichere Gespür des Teams für wichtige aktuelle Themen. Regionalschwerpunkt
ist Zentralafrika und die damit verbundene Neuordnung
des Kontinents. Die Podiumsdiskussion dazu ist ausverkauft.
Eröffnet wird sie von Dr. Metze-Mangold, Vizepräsidentin der
Deutschen Unesco-Kommission, denn das Festival ist UN-Projekt
des Internationalen Jahres „Dialog zwischen den Kulturen“.
Erstmals öffnet sich das Festival den modernen Kunstformen Comic,
Karikatur, Video und Performance. Die Karikaturen und Comics
zeichnen mit scharfer Feder aktuelle Themen wie Demokratieverständnis,
Basisbewegungen, Emanzipation, Krieg und Korruption und
nehmen dabei kein Blatt vor den Mund.
Auch die Lesung hat das krisengeschüttelte Zentrum Afrikas zum
Thema. Die Schriftstellerin Véronique Tadjo (Côte d’Ivoire) schildert
in ihrem Erfahrungsbericht Imanas Schatten – Reise bis ans Ende
von Ruanda eindringlich ihre Eindrücke in dem vom Krieg zerrütteten
Land, in das sie 1998 innerhalb des Projektes „Ruanda: Schreiben
gegen das Vergessen“ eingeladen war.
„... ce qui s‘était passé nous concernait tous. Ce n’était pas
uniquement l’affaire d‘un peuple perdu dans le coeur noir de
l’ Afrique. Oublier le Rwanda après le bruit et la fureur signifiait
devenir borgne, aphone, handicapée. C’était marcher dans
l’obscurité, en tendant les bras pour ne pas entrer en collision
avec le futur.“ (Véronique Tadjo)
Der kamerunische Filmemacher François L. Woukoache, dem die
Hommage gewidmet ist, stellt seine Dokumentation Nous ne
sommes plus morts vor, die im Rahmen desselben Projekts
entstand. Im Gepäck hat er auch ein erfrischendes Kurzfilmprogramm
seiner Filmstudenten an der Uni von Kigali. Ein umfangreiches
Filmprogramm widmet sich ebenfalls zentralafrikanischen
Ländern.
Erstmals ist ein Regisseur aus dem Tschad eingeladen: Issa Serge
Coelo, der zur Eröffnung Daresalam zeigt. Das Filmforum Höchst
setzt den Akzent weiterhin auf den Maghreb und präsentiert
insbesondere Filme von Frauen aus Nordafrika. In Anwesenheit
der Hauptdarstellerin läuft der neueste Film der Tunesierin Moufida
Tlatli, Zeit der Männer, Zeit der Frauen.
Eigens für Africa Alive konzipiert die junge Kenianerin Ingrid Mwangi
ihre Video-Gesang-Performance Coloured in der Alten Nikolaikirche
zum Thema Rassismus.
Das Kinderfest mit Geschichten, Musikclown,
Trommeln und Kurzfilmen ist wieder unbestreitbarer Höhepunkt
für die Kleinsten. Viele von ihnen stammen aus binationalen
Familien.
Den Festivalabschluß bildet ein Konzert mit der guineischen
Sängerin Sona Diabaté und ihrer Band Argile mit Mandingo-Jazz-
Highlife-Funk.
2002
Mit einem großartigen Konzert des Koraspielers Tata Dindin und des
Westafrica Ensembles eröffnet das Festival. Es steht dieses Mal
unter der Schirmherrschaft der deutschen UNESCO-Kommission.
Um dem einschneidenden Generationenwechsel in Afrika gerecht
zu werden und neue Trends aufzuspüren, lautet das Motto Junges
Afrika. Die nach dem Ende der Kolonialzeit geborene afrikanische
Jugend ist geladen, ihre Visionen vorzustellen.
Dazu veranstaltet das Festival erstmals ein umfangreiches Schul- und
Uniprogramm, das verschiedene Schultypen berücksichtigt. Lebendig
und direkt diskutieren Klassen und Seminare mit den geladenen
jungen Künstlern und Referenten. Sie erfahren Details über
afrikanische Länder, die oft in ihrer Ausbildung kein einziges Mal auf
dem Lehrplan stehen. Seitdem sind die Jugendveranstaltungen
wichtiger Bestandteil des Festivals.
Patrice Nganang, ehemaliges Teammiglied und inzwischen erfolgreicher
Schriftsteller und Dozent in den U.S.A., ist zu einem Workshop
und einer (sehr gut besuchten) Lesung in der Zentralbibliothek
geladen. Er liest aus Temps de chien, 2003 unter dem Titel
Hundezeiten in Deutsch erschienen. In der UNESCO-Schule Bad
Homburg findet ein Südafrikatag mit dem jungen Schriftsteller
Phaswane Mpe und Michael Hammon statt, der seinen Film
Hillbrow Kids über Straßenkids in Johannesburg vorstellt. Mpe liest
aus seinem Roman Welcome to our Hillbrow über denselben
Stadtteil im Museum der Weltkulturen.
Ihre Visionen und Zukunftserwartungen diskutieren junge Referenten
während des Podiums Wie bilde ich (m)ein neues Afrika? Im Foyer
wurde zuvor die kleine Ausstellung Kinder schreiben für Kinder
eröffnet.
Erfrischend lebendig und jung zeigt sich auch das Filmprogramm:
Neben Werken einer neuen Regiegeneration werden Filme über
Jugendliche präsentiert. Zu konträren Reaktionen führt der Eröffnungsfilm
Dôle von Imunga Ivanga (Gabun) über eine Jugendbande.
Der Hauptdarsteller Dominique Douma diskutiert im Anschluß
lange mit dem Publikum. Auch andere Filme zeigen sich nicht
zimperlich und präsentieren eine oft (knall)harte Jugend: Ali Zaoua
(Fespaco-Preisträger 2001) erzählt von marokkanischen Straßenkindern
und Jean Odoutan (Benin) vom jungen Djib in der Pariser
Banlieue. Newton Aduakas Rage zeigt drei junge Männer in London,
deren großer Traum es ist, eine Hip Hop-Platte aufzunehmen.
Branwen Okpakos Dreckfresser rekonstruiert die ungewöhnliche
Geschichte des schwarzen sächsischen Polizisten Sam Meffre.
Die schockierenden Filmbilder irritieren. Sie werfen die (moralästhetische)
Frage auf, inwieweit Afrikas Realität adäquat wiedergegeben ist.
Jedenfalls sind (die gewohnt ruhigen) Blicke auf Afrikas prachtvolle
Landschaft und dörfliche Geschichten nicht Thema dieser „Jungen
Wilden“.
Die Ausstellung Kin Pression holt Impressionen aus der Millionenstadt
Kinshasa ins Deutsche Filmmuseum. Die beeindruckenden
Werke junger kongolesischer Fotografen zeugen vom täglichen
Überlebenskampf der Menschen in der schwierigen Umbruchphase
des Landes. Im Neuen Theater Höchst sind unter dem Titel
Schatten des Lebens Arbeiten von Oluwagbemiga Ogboro-Cole zu
sehen. Bei der Vernissage macht der junge nigerianische Künstler
durch eine Kunstaktion als Sandwich-Man auf globale Gewalt und
Ungerechtigkeit aufmerksam.
Zum Abschlußkonzert im Höchster Bikuz mit A. Kouyateh, S. Camara,
Ismael & Pap Seck und der anschließenden Reggaeband Movements
of Jah People wird bis zum frühen Morgen getanzt.
2003
Auf dem Programm steht das sogenannte Lusophone Afrika. So
fragt das Podium: Afrikanische Renaissance – ein neuer Anfang?
und stellt die Situation Angolas nach dem Tode des Unitáführers
Savimbi in den panafrikanischen Kontext.
Neue Konzertspielstätte wird die Jugendkulturkirche St. Peter.
Dunyabélé aus Guinea Bissau und Jovens do Hungo aus Angola
bringen das Gotteshaus mit afrikanisch-brasilianischen Rhythmen
zum Schwingen.
Zur zweifachen Ouverture im Deutschen Filmmuseum mit Vernissage
und Film sind der Maler Braima Injai (Guinea-Bissau) und der
senegalesische Regisseur Mansour Sora Wada mit seinem Preisträgerfilm
Prix du pardon anwesend. Injais Gemälde finden trotz der
Zerrissenheit der abgebildeten Welten zum gemeinsamen Impetus:
Débloquer le coeur – Um der Hoffnung willen
„Notre culture du 21ème siècle se
construit au croisement de l’art
traditionnel et de l’art moderne,
plus encore, c’est du choc de nos
cultures que naissent de nouvelles
formes d’expression : ainsi l’artiste
que je suis, se situe aux points de
rencontre de la littérature, du
cinéma et du design...de fait tous
les métissages sont synonymes de
fécondité.
Aujourd’hui ma démarche porte
sur l’infini des fonds profonds, du
bleu des mers et des cieux.“
(Braima Injai).
Dieses Mal bestreiten zwei charismatische Autorinnen das Literaturprogramm:
die angolanische Lyrikerin Ana Paula Tavares und Lilia
Momplé aus Mosambik.
Unter dem Motto Trotz alledem zeigt der prominente mosambikanische
Fotograf Sérgio Santimano den Lebensmut der Menschen nach
den Kriegswirren des Landes. Die Ausstellung führt die Tradition von
Africa Alive fort, afrikanische Fotografie bekannt zu machen, die im
Westen ansonsten kaum bekannt ist. Afrika dient hierzulande eher
als dekoratives Fotoobjekt oder Background.
Die Filmabende liefern einen Querschnitt durch das lusoafrikanische
Filmschaffen, das mit größeren Problemen zu kämpfen hat als Mali
oder Burkina Faso. Zu sehen sind u.a. Filme seines populärsten
Vertreters, Flora Gomes aus Guinea-Bissau.
Von Ousmane Sembène läuft der den Frauen Afrikas gewidmete
Faat Kine. Zu Gast ist der Schauspieler Djolof Mbengue mit
L’Afrance über den Senegalesen El Hadj, der ohne Aufenthaltserlaubnis
in Paris zurechtkommen muß.
Das Filmforum Höchst setzt
den Akzent erneut auf Nordafrika. In Rachida der Algerierin Yamina
Bachir Chouik wird die junge Lehrerin Rachida von Islamisten
angegriffen, als sie ohne Schleier unterwegs ist.
Merzak Allouache (Frankreich/Algerien) meldet sich mit seinem
neuen Film L’Autre Monde zurück: Die junge Pariserin Yasmina reist
auf der Suche nach ihrem Bruder in ihr Herkunftsland Algerien und
erlebt – eine andere Welt. In Little Senegal des Algerienfranzosen
Rachid Bouchareb begibt sich Aloune auf die Spuren seiner
Vorfahren nach New York und wird dort mit den gravierenden
Unterschieden zwischen Afrikanern und Afroamerikanern konfrontiert.
Auch in Abderrahmane Sissakos neuem Film Heremakono –
En attendant le bonheur, bestechend durch seine ruhig schönen
Bilder und eine gehörige Portion Humor, spielt das Reisen zwischen
den Kontinenten – hier Afrika und dort Europa – eine (Haupt-)Rolle.
Einige Ereignisse:
1995: 100. Jahrestag der "Berliner Konferenz" (Koloniale Aufteilung Afrikas)
1996: Ermordung von Ken Saro Wiwa und den Ogoni Nine in Nigeria
1997: Sturz von Mobutu sese Seko. Laurent Kabila ergreift die Macht. Zaire heißt ab jetzt "Demokratische Republik Kongo"
1998: Großdemonstrationen in Frankreich für die Sans-Papiers ("ohne Papiere"). Offener Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea. Ende der Militärdiktatur in Nigeria
1999: Referendum "Concorde Civile" unter Abdelaziz Bouteflika in Algerien
2000: Erster EU-Afrika-Gipfel in Kaire
2001: Die OAS wandelt sich zur African Union (AU). Attentat auf Laurent Désiré Kabila. Nachfolger wird sein Sohn Joseph
2002: Tod des angolanischen Unitá-Führers Jonas Savimbi
2003: 4. April: Angola feiert nach 30 Jahren Krieg den ersten Nationalfeiertag im Frieden. Offizielles Ende des Kongo-Krieges.
Veranstaltungsorte:
Afroton-Kulturprojekte
Alte Nikolaikirche
Altes Rathaus Seckbach
Anwaltskanzlei Höhenstraße
Bikuz, Höchst
Buchladen & Café Ypsilon
Bürgerhaus Bornheim
Christuskirche, Beethovenplatz
diebrotfabrik
Deutsches Filmmuseum Frankfurt
Dominikanerkirche
Filmforum Höchst
Galli Theater (Titania)
Gaststätte Savanne, Höchst
Haus der Evangelischen Kirche
Jakob-Spener-Haus
Johann Wolfgang von Goethe-Universität
Jugendhaus Heideplatz
Jugendkulturkirche St. Peter
Literaturhaus Frankfurt
Museum der Weltkulturen
Neues Theater Höchst
Philanthropin/Freies Schauspiel Ensemble
Plaza der Commerzbank
Schirn Kunsthalle
Ton- und Bildstelle der EKHN
Zentralbibliothek Frankfurt
– darüber hinaus verschiedene Schulen in Rhein-Main –
Institutionen/Vereine, die (neben Einzelpersonen) im Team von Africa Alive
waren oder sind:
Africa Foundation
Afrikanischer Kulturverein
Afroton Kulturprojekte
Beles – Junge eritreische Europäer
Deutsches Filmmuseum Frankfurt
diebrotfabrik
Dialog International
Die Brücke
Filmforum Höchst
Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika
Guinea-Bissau Nubia Kulturzentrum
Nigerian Community
Nordafrika Verein
Novo Politik-Magazin
Schwarze Frauengruppe Frankfurt
Ton- und Bildstelle der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau